Hinter den Kulissen – Sächsische Sandsteinwerke Pirna

Steinbruch Lohmener Grund

Woher kommt eigentlich das kostbare Material, das unsere Stadt an so vielen Stellen prägt? Das zwei Meter große Sägeblatt jagt durch den tonnenschweren Sandsteinquader. Bis zu 84 Zentimeter tief kann das Blatt schneiden. Binnen Sekunden ist eine Scheibe abgetrennt. Zugleich begradigt Steinfräser Axel Moser in der benachbarten Halle mit seiner Säge eine sogenannte Anschnittplatte. In den Hallen der Sächsischen Sandsteinwerke Pirna in Rottwerndorf geht es jeden Tag geschäftig zu. Hier wird der in sechs Sandsteinbrüchen abgebaute Sandstein neu geformt – ihm wird sozusagen neues Leben „eingehaucht“. Ob er als Boden- oder Fassadenplatte, als Mauerelement oder als Baluster, als prachtvolles Ornament, als Skulptur oder als i-Tüpfelchen im Innenausbau verarbeitet wird, hängt ganz vom Kundenwunsch ab.

Naturbewusster Abbau

Wehlener Steinbruch

Der Abbau des Sandsteins erfolgt seit Jahrzehnten aus den Brüchen in Cotta, Reinhardtsdorf und Posta, links und rechts der Elbe. Heutzutage kommt modernste Technik zu Einsatz und es wird darauf geachtet, stets die Umwelt zu schonen. „Wir bauen pro Jahr etwa 5.000 Kubikmeter Sandstein ab. Das sind etwa 12.500 Tonnen“, sagt Geschäftsführer Johannes Roßrucker. Die Sandsteinblöcke werden mit Sprengschnüren, die auf einem Meter mit 12 Gramm Nitropenta gefüllt ist, vom Felsen abgetrennt. Die Schnüre detonieren mit bis zu 7.000 Metern pro Sekunde und hinterlassen an den Bohrlöchern oberflächlich schwarze Schmauchspuren, die aber nicht von Dauer sind. Die Blöcke werden in das Werk nach Pirna transportiert und dort weiterverarbeitet. Sandsteinreste gibt es nur wenige, selbst kleinste Stücke werden zu Spaltprodukten, wie Gartenweg-Platten, verarbeitet. „Wir schneiden die gewünschte Länge, Breite und Höhe ab. Manchmal gibt es Kunden, die die Bohrloch-Spuren als optischen Hingucker haben möchten. Auch dies ist möglich“, sagt Produktionsleiter Uwe Jahr.

Maschinelle und manuelle Bearbeitung

Pirna Steinmetz

Als Spezialist für alle Natursteine sind die Sächsischen Sandsteinwerke nicht nur fürs grobe Zuschneiden der Naturwerksteine zuständig. “Für Entwürfe oder Rekonstruktionen arbeiten wir auch mit Künstlern, Architekten und Bauherren zusammen, die Modelle erschaffen, die unsere erfahrenen Bildhauer und Steinmetze anschließend in Stein minutiös und mit großem künstlerischen Können umsetzen“, sagt Uwe Jahr. So wird der Cottaer Sandstein seit Jahrhunderten für Bildhauerarbeiten genutzt. „Da wir mit großer Erfahrung abbauen, ist es uns auch möglich, aus unseren homogenen Sandsteinvorkommen übergroße Rohblöcke zu gewinnen, aus denen wir auch Werkstücke extremer Größe herstellen können.“

Traditionsreicher Betrieb

Steinbruch im 20. Jahrhundert

Die Bedeutung des Sandsteins hat die Industrie bereits früh erkannt. Entstanden sind die Sächsischen Sandsteinwerke aus den 1896 gegründeten Fleck & Illmert Sandstein- und Marmorwerken, die den Ersten und Zweiten Weltkrieg überstanden hatten, aber nach langem Abwehrkampf gegen staatliche Zwangsmaßnahmen 1972 doch enteignet und verstaatlicht wurden. Als Bestandteil des VEB Elbenaturstein Dresden waren sie bis Juli 1990 tätig und wurden danach den ursprünglichen Eigentümern zurück übereignet. Um den heimischen Naturstein abzubauen, ihn in Pirna zu ver- und bearbeiten und aus ihm „Sandstein voller Leben“ zu machen, beschäftigt das mittelständige Unternehmen, das auch schon mehrfach als vorbildlicher Ausbildungsbetrieb ausgezeichnet wurde, heute ca. 60 Mitarbeiter (Stand 2014).

© Sigrid Rehak

Veranstaltungen

Pirna – Sandstein voller Leben

Besuchen Sie die offizielle Seite der Stadt Pirna: www.pirna.de