Wehrhafter Sandstein – die Bastionen der Festung Sonnenstein

Pirna BastionAls Kommandant Ludwig von Hoheneck schreitet Stadtführer Lutz Schlesier mit seinem historischen Kostüm stolz voran. Besuchern die Festung Sonnenstein und vor allem die seit wenigen Jahren wieder zugänglichen Bastionen zu zeigen, ist für ihn immer wieder etwas Besonderes. „Die Festung liegt rund 80 Meter über dem Elbpegel. Damals konnte kein Feind ungesehen auf eine Meile rankommen. Heute genießt man eine Traumsicht, die mitunter bis zu den Weinbergen nach Radebeul und das Osterzgebirge reicht“, sagt Lutz Schlesier. Die Bastionen sind in das Niedere, Mittlere und Hohe Werk eingeteilt. Den staunenden Besuchern erklärt der Kommandant unter anderem: „Vom Hohen Werk wurden zu Zeiten Napoleons volleiserne Kanonenkugeln von bis zu 15 Kilogramm abgefeuert, die bis auf die andere Seite der Elbe, also bis zu 400 Meter weit fliegen konnten.“ Die Bastionen wurden ab 1670 errichtet. Nach dem Siebenjährigen Krieg erfolgte 1763 die Außerdienststellung der Festung und die Bastionen wurden zunehmend mit Asche verfüllt.

Aufwendige Sanierung

Um die Bastionen für die touristische Nutzung wieder fit zu machen, wurde im Herbst 2008 unter Mitarbeit des Landesamtes für Archäologie mit den Bauarbeiten an der Befestigungsanlage begonnen: Es wurden Schadensanalysen erstellt, Konzepte und detaillierte Planungen erarbeitet, An- und Einbauten abgebrochen, Gewölbe, Bögen und Mauern instand gesetzt, verschlissene Decken ersetzt sowie neue Stahlbetondecken eingezogen, Abdichtungen eingebaut und zugemauerte Öffnungen wieder freigelegt. Die Sandsteinoberflächen wurden überarbeitet, Wege, Treppen, Galerien und Umwehrungen errichtet. Während der Beräumung wurden rund 5.000 Kubikmeter Schutt, Abfall und Geröll aus den Festungsanlagen entfernt.

Führung mit Geheimnissen

Die Bastionen des Sonnensteins sind nur mit einer Führung zu besichtigen. Eine Anmeldung für eine kostenpflichtige Tour, bei der ein Stadtführer – auf Wunsch auch in einem historisch nachempfundenen Kostüm – alles präsentiert und erklärt, ist über den TouristService Pirna möglich. In den Katakomben warten viele Details darauf, vom Besucher entdeckt zu werden. „Sie sind wie ein Schmuckkästchen voller Geheimnisse“, sagt Lutz Schlesier. Kennen Sie beispielsweise den ältesten Festungsbrunnen an der Außenwand, die versteckten Kanonenkugeln an der Fassade der Langen Kaserne oder den „Kleinen Bruder des Erlpeters“ am Aufgang zu Sitzungssaal des Kreistages? Eine Führung durch die Bastionen ist wie eine Zeitreise durch die Geschichte und zugleich eine Expedition ins Tierreich. Denn hier leben auch verschiedene Fledermausarten, vor allem die Kleine Hufeisennase sowie das Kleine und Große Mausohr. Im Hohen und im Niederen Werk der Bastionen gibt es deshalb verschlossene Bereiche, über denen eine Art offenes Oberlicht als Einflugloch dient. In den unteren Etagen, an den Außenwänden zur Elbseiten und an nicht einsehbaren Bereichen wurden zudem spezielle Nistkästen angebracht, die gut von den Fledermäusen angenommen werden.

Zur Buchung

Hoffen auf ehemalige Geschütze

Etwas gibt es jedoch leider nicht mehr zu entdecken, denn es fehlen die alten Geschütze. Insgesamt 42 mitunter schwere Kanonen sind es wohl gewesen. „Ein Teil ist noch vorhanden und befindet sich im Waffenarsenal des Militärhistorischen Museums in Dresden. Allerdings bedürfen sie einer Restaurierung. Dafür fehlt aktuell das Geld“, sagt Lutz Schlesier. So hofft der Kommandant weiter. Und dennoch und gerade deshalb: wer die Bastionen der Festung Sonnenstein (noch) nicht kennt, dem fehlt ein Steinchen im Mosaik „Sandstein voller Leben.“

© Sigrid Rehak
Bilder © Jens Dauterstedt

Veranstaltungen

Pirna – Sandstein voller Leben

Besuchen Sie die offizielle Seite der Stadt Pirna: www.pirna.de