Prunkvoller Sandstein – die Stadtkirche St. Marien Pirna

Stadtkirche St. Marien PirnaSie ist bis heute das imposanteste Gebäude in der Pirnaer Altstadt, von jeder Gasse ist ihr Kirchturm zu sehen. Die Evangelisch-Lutherische Stadtkirche St. Marien zeugt vom Wohlstand Pirnas, als die Stadt im späten Mittelalter zu den reichsten Städten des meißnischen Landes gehörte. Der Sakralbau aus Sandstein zählt zu den größten und bedeutendsten sächsischen Hallenkirchen der Spätgotik. Viele Besucher sind vom 50 Meter langen, 25 Meter breiten und 18 Meter hohen Kirchenschiff beeindruckt. Da der Dachstuhl selbsttragend ist, wurde im Innenraum der Kirche ein detailverliebtes Deckengewölbe möglich, das allein zur Zierde dient und viele Besucher in Staunen versetzt. „In unserer Kirche ist vieles aus Sandstein, was anderswo aus Holz gefertigt wurde“, sagt Kirchner Thomas Albrecht. Die Marienkirche besitzt das einzige siebenstimmige Geläut in Sachsen überhaupt. Die Frauenkirche in Dresden beherbergt ein achtstimmiges Geläut.

Jahrzehntelanger Bau

Die Stadtkirche wurde zwischen 1502 und 1513 von Peter Ulrich (genannt Peter von Pirna) errichtet und nach dessen Tod zwischen 1513 und 1546 von Markus Ribisch und Wolf Blechschmidt fertiggestellt. Die heutigen Steinemporen wurden 1571 und 1890 eingefügt. An der Südwestecke des Gebäudes steht der bereits zwischen 1466 und 1479 gebaute Kirchturm. Seine Barockhaube besitzt er seit dem 18. Jahrhundert. Um die Kirche in voller Schönheit zu erhalten, wurden seit der Wende nach Angaben Albrechts insgesamt rund zehn Millionen Euro investiert. Das Innere der Kirche wurde zwischen 2000 und 2005 restauriert. Weitere umfangreiche Arbeiten müssen in den kommenden Jahren realisiert werden.

Wertvolle Innenausstattung

An kaum einem anderen Ort in Pirna wirkt Sandstein so prunkvoll und vollkommen wie im Innenraum der dreischiffigen Hallenkirche. Die sieben Joche, die zwölf achteckigen Pfeiler, die Halbtonnen mit Netzgewölbe im Mittelschiff und die Sterngewölbe in den Seitenschiffen sowie das Fischblasengewölbe im Chor sind „Gewölbekunst aller höchster Güte“, sagt Thomas Albrecht. Einzigartig sind auch die figuralen Gewölbemalereien von 1545/46. Sie zeigen Szenen aus dem Alten und Neuen Testament der Bibel. Die Malereien sind größtenteils originalgetreu erhalten.

Taufstein und Hauptaltar aus Sandstein

Stadtkirche St. Marien PirnaDer aufwendig gearbeitete Taufsteinfuß aus Sandstein stammt von 1561. Schon Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe war von der prächtigen Sockelverzierung fasziniert. In einem Brief an seine Frau Christiane schrieb er im April 1813: „Das Merkwürdigste aber war uns der Taufstein.“ Dieser zeigt 26 kleine Kinder, die plastisch herausgearbeitet auf der quadratischen Sockelplatte sitzen und alltägliche Tätigkeiten ausführen, wie essen, trinken, spielen und schlafen. Bis auf wenige Ausnahmen sind sie unbekleidet. Die Nacktheit steht hier für die Unschuld der kindlichen Seele. Der Taufstein entzückt bis heute viele Besucher – ebenso wie der zehn Meter hohe Sandstein-Altar, den die Brüder Michael und David Schwenke 1614, also vor genau 400 Jahren, gestalteten. Der Altar gehört heute zu den bedeutendsten Bildhauerarbeiten der sächsischen Spätrenaissance. Er zeigt ornamentreich die Geburt Jesu, das Abendmahl und die Kreuzigung, die Sintflut und die Auferstehung sowie Elias Himmelfahrt und die Jakobsleiter. Die Stadtkirche St. Marien beeindruckt auch durch die Vielzahl bedeutender Epitaphien und Grabdenkmäler, vor allem des 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts. Ein besonderes Erlebnis ist das Turmblasen, das jeden Sonnabend nach dem Abendläuten um 18.15 Uhr stattfindet. Und auch wer Kirchenbauten ungern betritt, verpasst etwas, wenn er die Sandsteinpracht von St. Marien (noch) nicht gesehen hat.

© Sigrid Rehak
Bilder © www.diamonds-network.de

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