Wegweisender Sandstein – die Postmeilensäule in Pirna

Eine Zeitreise in das 18. Jahrhundert: Der Rat der Stadt Pirna wehrt sich massiv gegen einen Erlass von August dem Starken 1721/22, an allen wichtigen Post- und Handelsstraßen und in der Stadt Säulen zu errichten, welche die amtlichen Entfernungen zu den nächst gelegenen Orten angeben. Pirna lag an der „Alten Dresden-Teplitzer Poststraße“ – eine der wichtigsten Handelsstraßen zu dieser Zeit. Der königliche „Land- und Grenzkommissar“, Magister Adam Friedrich Zürner, hatte deshalb festgelegt, dass Pirna an jedem seiner vier Stadttore eine große wappengeschmückte Distanzsäule, dazu an den Straßen entsprechende Viertel-, Halb- und Ganzmeilensäulen errichten musste. Weil aber die Kosten und das Setzen dieser Säulen in der Verantwortung der Städte und damit auch beim Rat der Stadt Pirna lagen, stieß die Maßnahme wegen der klammen Stadtkasse nicht gerade auf Begeisterung. Die Anordnung wurde in Pirna nur als eine fürstliche Laune betrachtet und nach Schildbürgerart versucht, die Errichtung bis zum St. Nimmerleinstag hinauszuzögern, schrieb Siegfried Lange in seinem Buch „Kursächsische Postmeilensäule um Pirna“ von 1984. Nach heftigem Drängen Zürners gaben die Räte aber nach und errichteten bis zum Jahr 1729 insgesamt acht steinerne Wegweiser. Aus den historischen Akten ist zu erfahren, dass die drei großen Distanzsäulen vom Steinmetz Schindler aus Pirna für je 40 Taler angefertigt wurden. Die Ganzmeilensäule „Vor der Brettmühle“ sowie eine Halbmeilensäule kosteten je 5 Taler, die drei Viertelmeilensteine je 4 Taler. Bis heute ist nur eine der Distanzsäulen aus dem Jahre 1722 erhalten geblieben: diese wurde 1723 vor dem Dohnaischen Tor aufgestellt und auch von Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, im Bild „Breite Gasse in Pirna“ verewigt.

Präzise steinerne Entfernungsangaben

Was Laien oft verwundert: auf der Postmeilensäule steht zwar das Wort „Stunde“, es handelt sich aber um eine Entfernungsangabe. Hintergrund: wegen fehlender Landkarten, Unklarheiten über Ortsentfernungen und die Länge der Postkurse wurde im März 1722 die „Kursächsische Postmeile“ eingeführt, die 9,062 Kilometern entsprach. Als Entfernungsangabe auf den Distanzsäulen benutzte Zürner die Wegstunde, die einer halben Postmeile entsprach. „Also 4,531 Kilometer und in etwa das, was ein Soldat in einer Stunde zurücklegen konnte“, sagt Gabriele Körtel, Stadtführerin in Pirna. Für die Landeshauptstadt steht beispielsweise „Dreßden - 4 St. 1/4“ auf der Säule. Das entspricht 19,3 Kilometern und kommt den Angaben des heutigen Routenplaners mit 19,8 Kilometern (bis Dr.-Külz-Ring über B172) schon sehr nahe. Die Fachwelt ist sich inzwischen einig, dass die sächsischen Postsäulen und das Vermessungssystem für die damalige Zeit ein außergewöhnlich genaues System waren, welches sich vor allem durch die landesweite Umsetzung, hohe Präzision der Entfernungsangaben und durch die zum Teil prunkvolle Säulengestaltung als Sächsische Glanzleistung auszeichnete. Von den ursprünglich rund 300 Distanz- und etwa 1200 Straßensäulen in und um Sachsen bis nach Polen sind heute noch rund 200 Säulen zumindest zum Teil erhalten oder wurden originalgetreu rekonstruiert. Die steinernen Kunstwerke haben fast 300 Jahre Geschichte erlebt. Zwei Drittel der Säulen bestand aus dem feinem Elbsandstein, der nahe Pirna in verschiedenen, elbnahen Brüchen abgebaut wurde. Die Säulen trugen den Ruf des Sandsteins als Bau- und Kunstwerkstoff in die Welt und machen noch heute Geschichte lebendig.

Prachtvoller Hingucker

Die kursächsische Postmeilensäule in Pirna mit einer Höhe von rund 4,50 Metern sorgt auch optisch für Aufmerksamkeit. Teil der Inschrift ist ein Posthorn, das als Zeichen für die staatliche Posthoheit stand, sowie aufwendig gearbeitete Wappen des Kurfürstentums Sachsen (rote, gekreuzte Kurschwerter) mit vergoldeter Krone und die polnische Königskrone mit dem königlich-polnisch-litauischen Wappen (weißer Adler bzw. Reiter auf rotem Grund). „August der Starke – ebenso wie sein Sohn Friedrich August II. – war ja nicht nur Kurfürst von Sachsen und König von Polen, sondern eben auch Großherzog von Litauen. Genau dies bringen die kunstvoll verzierten Wappen zum Ausdruck“, weiß Gabriele Körtel.
Anfang 2014 wurde die Säule in den Grünanlagen der Grohmannstraße/Ecke Jacobäerstraße von der Steinrestauration Hain aus Meißen aufgearbeitet. Nach Angaben der Stadt Pirna kostete dies rund 18.000 Euro. Die Summe brachte man aus Spendengeldern auf, die für den Denkmalschutz in die Stadtkasse eingezahlt wurden.

© Sigrid Rehak

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