Sandsteingeschichten in Pirnas Gassen – Erker, Giebel, Türportale

Relief

Die Innenstadt von Pirna wird gern auch als „Stadt der Giebel, Erker und Portale“ bezeichnet. Zwar sind nach diversen Umbauten ab Ende der Renaissance-Zeit einige dieser fantasievollen Verzierungen und Schmuckstücke verschwunden, die erhalten Gebliebenen sind aber meist an städtebaulich markanter Stelle angeordnet und schön gestaltet. Während der Altstadt-Sanierung wurden viele von ihnen mit großem Aufwand und Mühe restauriert.

Ein Muss für jeden Pirnaer Gast ist zweifellos der Teufelserker an der Oberen Burgstraße 1, das Spätrenaissance-Portal mit dem Baumeister Wolf Blechschmidt in der Niederen Burgstraße 1 und das Portal des Rathauses.

Kennen Sie aber auch den Blick von der Dohnaischen Straße durch die Schössergasse auf den Neorenaissance-Giebel des Rathauses, die Erker in der Gartenstraße und in der Breiten Straße oder das der Historie nachempfundene Türportal am heutigen Canalettohaus? Bei einem Bummel durch die Innenstadt können Interessierte in nahezu jeder Straße und Gasse der Altstadt weitere Kunstwerke aus Sandstein entdecken. Hier nur eine kleine Auswahl.

Reichverzierte Portale

Relief Blechschmidthaus

In der Langen Straße beispielsweise gibt es ein bemaltes Sitznischenportal, das links die Symbolik für das Alte Testament (Eherne Schlange mit Kreuz) und rechts für das Neue Testament (Lamm Gottes mit der Siegesfahne) zeigt. „Es ist das Portal an der Nummer 3. Das denkmalgeschützte Haus wurde bereits in den 50er Jahren saniert“, sagt Stadtführer Uwe Kelly, der sich auf architektonische Stadtführungen spezialisiert hat.

Nicht bemalt, aber zweifelsohne sehenswert sind

  • das reiche Barockportal, Lange Straße 10, das 1719 für den Empfang des Sohnes August des Starken und seiner frisch angetrauten Gattin, Erzherzogin Maria Josepha geschaffen wurde,
  • das spätgotisches Sitznischenportal am Haus Kirchplatz 2 aus dem Jahre 1525, welches das Relief von Adam und Eva mit der Schlange zeigt
  • und das markante Sitznischenportal mit fünffachem Kielbogen Am Markt 3 (Peter-Ulrich-Haus und heutiges Tom-Pauls-Theater).

Ebenfalls am Markt gibt es weitere kunstvolle Portale. Eines davon aus dem Jahr 1673 ist das 2,60 Meter breite und 3,70 Meter hohe Barockportal an der Nummer 9. „Eingefasst ist es von zwei korinthischen Säulen, an denen man naturalistisch gebildete Früchte erkennen kann“, weiß Uwe Kelly. Berühmtester Besitzer war Hans Christoph Volkamer (Bürgermeister der Stadt von 1668 bis 1703), der nach 1671 für viele Jahre hier wohnte und Räumlichkeiten für öffentliche Veranstaltungen und Ausstellungen ebenso unterbrachte wie Räume für die Verwaltung.

Architektonische Hingucker

Erker Gartenstaße

Das Haus in der Schloßstraße 13, in dem heute das Internat des binationalen Friedrich-Schiller-Gymnasiums beherbergt ist, stellt eine Besonderheit dar. Hier befinden sich, wie beispielsweise auch in der Gartenstraße 38 (im Bild), der kunstvolle Erker von etwa 1630 und der Renaissance-Torbogen direkt übereinander.

Stadtführer Uwe Kelly weiß zu berichten, dass das Haus mehreren Bürgermeistern, unter anderem um 1625 Kilian Promnitz, gehörte und um 1780 vom Großkaufmann Flössel gekauft wurde. Im Hof erheben sich Sandsteinarkaden und schön geformte Docken auf den Galerien, außerdem existiert ein Sterngewölbe im Seitenhaus.

Ungewöhnlich und sehenswert ist auch das Portal zum Pesthaus im Zollhof. „Um mit den Karren und Wägen hineinfahren zu können, ist das Portal in sich gedreht“, sagt Uwe Kelly.

Marienfigur

Unverwechselbare Hausmarken

Sie glänzen in der Sonne und haben heute doch keine Bedeutung mehr: Die sogenannten Hausmarken, die bis zum Ende des 18. Jahrhunderts als Wohnort-Kennzeichnung dienten. In Pirna gab es bis dahin keine Hausnummern. Heute noch existierende Hausmarken gibt es unter anderem am Haus Markt 19 ("Weißer Schwan") und der goldene Stern in der Barbiergasse.

Viele Epochen bewegter Geschichte sind damit heute noch sichtbar: von der Spätgotik über die Renaissance bis hin zu barocker Fülle. Der Erhaltungsgrad dieser historischen Denkmäler sucht trotz der durchlittenen Hochwasser seinesgleichen in der Region. Es macht damit immer wieder Freude, mit offenen Augen diese städtische Pracht zu genießen.

© Sigrid Rehak | Bild Oben © Jens Dauterstedt | Bilder Unten © www.diamonds-network.de

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